Die Herausforderung: Vom informellen zum formalen ESG-Ansatz bei begrenzten Ressourcen
Basilea Pharmaceutica hat verantwortungsbewusstes und zukunftsorientiertes Management stets hoch priorisiert. Aufgrund der Unternehmensgrösse war ein informeller Umgang mit Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen (ESG) initial zunächst ausreichend. Mit dem Wachstum des Unternehmens und steigenden Erwartungen der Stakeholder wurde jedoch ein Übergang zu einem formalen, robusten und transparenten ESG-Ansatz notwendig. Die zentrale Frage war, wie dieser Übergang umgesetzt werden kann, ohne die Kernaktivitäten des Unternehmens zu beeinträchtigen – insbesondere angesichts von Teams, die bereits stark ausgelastet waren und ohne strukturierte Unterstützung kaum zusätzliche Programme bewältigen konnten.
Über Basilea
Basilea ist ein biopharmazeutisches Unternehmen im kommerziellen Stadium, gegründet im Jahr 2000 und mit Hauptsitz in der Schweiz. Das Unternehmen beschäftigt rund 190 Mitarbeitende. Der Fokus liegt auf der Entwicklung und Vermarktung innovativer Medikamente für schwere bakterielle und fungale Infektionen. Basilea hat zwei Produkte erfolgreich auf den Markt gebracht: Cresemba® zur Behandlung invasiver Pilzinfektionen und Zevtera® zur Behandlung bakterieller Infektionen. Zudem verfügt das Unternehmen über weitere präklinische und klinische Antiinfektiva im Portfolio. Basilea ist an der SIX Swiss Exchange kotiert.
Ziel: Ein robustes ESG-Programm, unterstützt durch KI
Das Ziel von Basilea war die Entwicklung eines ESG-Programms, das die Mitarbeitenden motiviert und gleichzeitig praktikabel umsetzbar ist. Dazu gehörten insbesondere ein moderner ESG-Ambitionsrahmen als Grundlage einer rollierenden Strategie, eine Governance-Struktur mit klaren Rollen und Verantwortlichkeiten und ein strukturierter Nachhaltigkeitsbericht für Stakeholder wie Investoren und Kunden. Unterstützt werden sollte dies durch eine Plattform zur strukturierten Steuerung von ESG-Themen, Datenpunkten und Verantwortlichkeiten – ergänzt durch KI-gestützte Workflows für effizientere Berichtserstellung.
Unser Ansatz
Der Aufbau eines robusten ESG-Programms erfordert einen ganzheitlichen Ansatz. Während idealtypisch zunächst Strategie und Governance definiert, danach Programme umgesetzt und schliesslich Fortschritte gemessen und berichtet werden, ist die Realität oft komplexer. Das Prinzip „Plan-Do-Check-Act“ erlaubt unterschiedliche Einstiegspunkte.
Basilea startete gemeinsam mit Sustainserv mit einer Materialitätsanalyse, um relevante ESG-Themen basierend auf Auswirkungen, Risiken und Chancen zu identifizieren. Anschliessend wurden qualitative Ambitionen definiert und in einer ersten ESG-Strategie zusammengeführt, die gleichzeitig als externe Kommunikationsgrundlage diente.
Auf dieser Basis wurde im ersten Jahr ein informeller Nachhaltigkeitsteil in den Geschäftsbericht integriert und im zweiten Jahr ein GRI-konformer Bericht erstellt – unter Nutzung der KI-gestützten Reporting-Plattform Palau. Parallel dazu wurden Rollen und Verantwortlichkeiten für ESG-Themen systematisch erfasst und anschliessend in eine formalere Governance-Struktur überführt.
Während der Erstellung dieses ersten GRI-Berichts wurden die Rollen und Verantwortlichkeiten der Teammitglieder in Bezug auf verschiedene Aspekte der wesentlichen Themen von Basilea in der Palau-Plattform erfasst. Diese ESG-bezogenen Rollen hatten sich im Laufe der Zeit auf der Grundlage der spezifischen Kompetenzen der derzeitigen Basilea-Teammitglieder herausgebildet. Im nächsten Schritt arbeitet Basilea gemeinsam mit Sustainserv daran, dies als explizitere ESG-Governance-Struktur zu formalisieren und zu formulieren, die die Zuweisung von Verantwortlichkeiten zu funktionalen Rollen im gesamten Unternehmen so optimiert, dass sie gut zu den Gesamtaufgaben der betreffenden Funktionen passt, und somit sinnvoll und robust ist, auch wenn Teammitglieder im Laufe der Zeit in bestimmte organisatorische Rollen hinein- und aus diesen herauswechseln.
Erkenntnisse zu den Dos und Don’ts der KI-Einführung
Im Laufe dieses Prozesses hat sich gezeigt, dass KI das Potenzial für effizientere Arbeitsabläufe und effektivere Ergebnisse bietet
- Ideal für IROs, weniger geeignet für Bewertungen
Die Materialitätsanalyse sowie die Festlegung und Konsolidierung der Zielsetzungen für die wesentlichen Themen in eine erste ESG-Strategieerklärung wurden grösstenteils durchgeführt, bevor fortgeschrittene KI-Tools breit verfügbar waren. Würde dies heute erfolgen, sehen wir insbesondere Potenzial in der Identifikation und Ausarbeitung von Auswirkungen, Risiken und Chancen (IROs), wofür Sustainserv inzwischen ein KI-gestütztes Tool entwickelt hat, sowie im Benchmarking der Priorisierung von IROs unter Vergleichsunternehmen.
Umgekehrt raten wir zur Vorsicht, wenn KI zur Einstufung und Bewertung wesentlicher Themen eingesetzt wird und solche KI-generierten Materialitätsbewertungen unkritisch übernommen werden. Die Priorisierung dessen, was für ein Unternehmen und sein Geschäftsumfeld wichtig oder wesentlich ist, stellt eine strategische und geschäftsbezogene Entscheidung dar, die menschliches Urteilsvermögen erfordert, auch wenn sie durch Kontextanalysen und Benchmark-Übersichten, die von KI erstellt werden, deutlich effektiver unterstützt werden kann. - Ein strukturiertes KI-Tool ist notwendig
Zur Erstellung des ersten GRI-konformen Nachhaltigkeitsteils im Basilea Geschäftsbericht wurde die Nachhaltigkeits-Reporting-Plattform Palau eingesetzt. Diese Reporting-Umgebung wurde ursprünglich für die ESRS-Berichterstattung entwickelt, jedoch im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen Palau und Sustainserv auch für die Erstellung von GRI-Berichten optimiert. Ein einfacher, aber wirkungsvoller Vorteil einer solchen strukturierten Umgebung gegenüber frei eingesetzten KI-Anwendungen ist, dass die Reporting-Standards während der Inhaltserhebung und -entwicklung strukturiert integriert und leicht sichtbar sind. Dadurch wird internen Mitarbeitenden, die neu in der Nachhaltigkeitsberichterstattung sind und gleichzeitig am regulären Geschäftsbericht arbeiten, klarer, was von ihnen erwartet wird.
In dieser KI-unterstützten Reporting-Umgebung unterstützte Sustainserv Basilea dabei, bereits verfügbare Informationen den jeweils passendsten GRI-Indikatoren zuzuordnen und den Überblick darüber zu behalten, welche Anforderungen im aktuellen Bericht abgedeckt sind und welche Lücken noch zu schliessen sind beziehungsweise in welchem Umfang dies in der nächsten Berichtsperiode erfolgen muss.

- Entwürfe mit KI, aber menschliche Qualitätskontrolle ist unerlässlich
Im Hinblick auf Texterstellung, Überarbeitung und Freigaben bleibt die menschliche Qualitätskontrolle in entsprechenden KI-Workflows unerlässlich. Zwar können KI-Tools wie Palau erste Entwürfe für einzelne Offenlegungen oder sogar ganze Berichtskapitel erstellen, doch ein Bericht, der vollständig oder überwiegend von KI verfasst wurde, wirkt in gewissem Masse generisch und erinnert an andere Berichte im Markt. Dies kann durch wiederholtes Nachjustieren der Prompts und Überarbeitungen verbessert werden, indem die inhaltliche Gewichtung und Tonalität angepasst werden. Allerdings ist neben der notwendigen menschlichen Qualitätsprüfung auch zu berücksichtigen, dass mehrfaches Nachsteuern von KI-generierten Texten ähnlich zeitintensiv sein kann wie die klassische Texterstellung.
Zu den Erkenntnissen gehört auch, dass Schulungen Mitarbeitende unterstützen und befähigen können, die an der Berichtserstellung beteiligt sind, insbesondere im ersten Jahr. Dies trägt dazu bei, ihnen klar zu vermitteln, wie ihre Beiträge in einer KI-gestützten Umgebung verwendet und verarbeitet werden und wie sie Prüf- und Freigabeprozesse angehen sollten. - Optimieren Sie den Bericht nicht auf Kosten der Berichterstattung
Ein weiterer Punkt ist, dass bei einem starken Fokus auf Technologie und KI leicht aus dem Blick geraten kann, dass das finale Berichtsdokument nicht das einzige und mitunter auch nicht das wichtigste Ergebnis des Nachhaltigkeitsreportings ist. Mindestens ebenso wertvoll ist die Zusammenarbeit bei Planung, Erstellung und Überarbeitung des Berichts, da sie Mitarbeitenden im gesamten Unternehmen ermöglicht, sich mit den für das Unternehmen und seine Partner relevanten ESG-Themen auseinanderzusetzen und diese besser zu verstehen.
Ein gut gestalteter Reporting-Prozess verändert die Denkweise – und mitunter auch die Haltung – der Beteiligten. Dies ist entscheidend, um unternehmensweit bessere und stärker zukunftsgerichtete Entscheidungen zu ermöglichen. Wird der gesamte Bericht hingegen durch KI erstellt und liefern Mitarbeitende lediglich punktuelle Informationen, reduziert sich der Prozess auf eine reine Pflichtübung ohne echten Einfluss auf das Unternehmen und seine langfristige Steuerung. Indem der Mensch nicht nur eingebunden bleibt, sondern weiterhin die Verantwortung trägt, können die Effizienzgewinne der KI genutzt werden, während gleichzeitig die Veränderungs- und Lernwirkung des Reportings erhalten oder sogar gestärkt wird. - Gap-Analyse leicht gemacht
Das Reportingprojekt wurde mit einer KI-gestützten Gap-Analyse gegenüber den neuen Standards GRI 102 und 103 für Energie- und Klimaberichterstattung abgeschlossen, die für im Folgejahr veröffentlichte GRI-Berichte verpflichtend sind. Diese frühzeitige Vorbereitung spart Zeit in der nächsten Berichtsperiode und zeigt exemplarisch, wie die Berichterstellung in einer strukturierten, KI-gestützten Plattform wie Palau langfristig Effizienz und Effektivität steigern kann. Dies gilt ebenso für Fälle, in denen Gap-Analysen gegenüber den jeweils aktuellen Versionen der ESRS- und ISSB-Standards für Unternehmen zunehmend an Bedeutung gewinnen.

- Festlegung der Governance auf der Grundlage einer Statusübersicht
Neben der Bereitstellung eines einfachen Zugangs zu den Standardanforderungen unterstützt die Plattform auch die Zuweisung klarer Verantwortlichkeiten für jedes Thema und jeden Datenpunkt. Im Zuge dieser Strukturierung wurden einige Lücken und Unklarheiten in der Nachhaltigkeits-Governance identifiziert. Diese werden derzeit geschlossen, indem vollständige Klarheit über Rollen und Zuständigkeiten geschaffen wird. In diesem Prozess kann KI insbesondere beim Benchmarking unterstützen, etwa indem aufgezeigt wird, wie ESG-Rollen in vergleichbaren Unternehmen definiert sind und zusammenwirken. Auch hier gilt jedoch, dass solche Ergebnisse nicht als endgültige Lösung zu verstehen sind, sondern als Orientierung dienen sollten, um Rollen so auszugestalten, dass sie zum jeweiligen Geschäftsmodell und Umfeld des Unternehmens passen.

Ergebnisse
Der strukturierte, über mehrere Jahre angelegte Prozess bei Basilea führte zu einer klaren Liste von für das Unternehmen wesentlichen ESG-Themen, zu einer strategischen Ausrichtung, zu konkreten KPIs und Zielen für die Messung von Fortschritten. Zudem wurden unternehmensweit klare Rollen und Verantwortlichkeiten für ESG-Aspekte festgelegt und eine transparente externe Nachhaltigkeitsberichterstattung etabliert, die Investoren, Kunden und andere Stakeholder von Basilea informiert und einbindet.
Durch den Einsatz KI-gestützter Prozesse zur Erhebung von Inhalten und Berichtserstellung lassen sich zukünftige Anpassungen an neue Berichterstattungsanforderungen einfacher und robuster umsetzen. Das gilt zum Beispiel für die neuen GRI-Standards zu Energie und Klima sowie gegebenenfalls auch für künftige Anforderungen aus ESRS oder ISSB im Bergleich zu einem rein manuellen Ansatz.
Gleichzeitig stellt die kontinuierliche Einbindung des Menschen und seine letztliche Verantwortung sicher, dass nicht nur die Qualitätskontrolle gewährleistet ist, sondern Basilea auch die Vorteile der Nachhaltigkeitsberichterstattung ausschöpfen kann, die über die reine Erstellung eines Dokuments hinausgehen. Der Reporting-Prozess bindet das Team in Nachhaltigkeitsthemen ein, schafft unternehmensweite Ausrichtung und Inspiration und trägt so dazu bei, Fortschritte im Zeitverlauf voranzutreiben.
Schauen Sie sich den Basilea Pharmaceutica Geschäftsbericht 2025 hier an.
Kontaktieren Sie uns. Wir freuen uns, Ihnen mehr darüber zu erzählen.