Weniger Seiten, gleiche Konformität: Wie schlankere GRI-Nachhaltigkeitsberichte gelingen

Nachhaltigkeitsberichte werden von Jahr zu Jahr länger. Mehr Standards, mehr Kennzahlen, mehr Erwartungen von Investoren, Kunden und Seitens Regulatorik. Die naheliegende Reaktion vieler Unternehmen ist: einfach mehr Inhalte in den Nachhaltigkeitsbericht hinzufügen. Da viele Berichte ohnehin mittlerweile online-Berichte sind und nicht mehr gedruckt werden, wären viele Seiten ja eigentlich kein Problem. Doch das ist ein Trugschluss. Ein 120-seitiger Bericht, der am Ende kaum gelesen wird, erfüllt seinen Zweck schlechter als ein fokussierter, gut strukturierter Bericht auf weniger Seiten.

Aus einem aktuellen gemeinsamen Beratungsprojekt von Sustainserv und Linkgroup lässt sich eine Methodik ableiten, wie sich der Umfang eines Nachhaltigkeitsberichts deutlich reduzieren lässt, ohne dabei an Standard-Konformität – in diesem Falle mit GRI – zu verlieren. Oder gar Layout-Einbussen machen zu müssen.

Der Ausgangspunkt: Zwei Arten von Seiten

Wer einen typischen Nachhaltigkeitsbericht genauer analysiert, stösst fast immer auf zwei unterschiedliche Seitentypen, die sich auch visuell klar unterscheiden lassen:

Einerseits erzählerische Seiten, mit erklärenden Beispielen oder Hervorhebungen. Diese sind oft gespickt mit auffälliger Hintergrundfarbe, Fotostrecken und Erfolgsgeschichten. Sie transportieren Highlights: Zertifizierungen, Awards, ausgewählte Projekte, Mitarbeitendenzitate. Diese Seiten sind wichtig für die Aussenwirkung, aber sie sind in aller Regel kein Pflichtbestandteil zur GRI-Konformität.

Andererseits formale Seiten. Das sind die Managementansatz-Texte gemäss GRI 3-3 sowie die dazugehörigen Kennzahlentabellen. Diese Seiten sind der eigentliche Kern der GRI-Berichterstattung und sollten die für einen GRI-Bericht verlangten Informationen enthalten.

Der entscheidende Punkt: Diese beiden Seitentypen erzählen inhaltlich oft dieselbe Geschichte, nur einmal ausführlich-narrativ am Beispiel und einmal kompakt-tabellarisch in der Gesamtübersicht. Genau in dieser Redundanz liegt das grösste Kürzungspotenzial.

Die zentrale Idee: Die Ziele-Tabelle als Verdichtungsinstrument

Viele Nachhaltigkeitsberichte enthalten zu Beginn des Dokuments eine übergreifende Ziele- und Ambitionen-Tabelle. Häufig ist diese Tabelle aber nur ein grober Wegweiser. Die jeweiligen Spalten enthalten oft einen Verweis a la „Mehr lesen: s. Kapitel Soziales“, ohne die eigentliche Kernaussage zu liefern.

Der Hebel liegt darin, diese Tabelle strukturell aufzuwerten: Statt eines Verweises steht direkt die verdichtete Kennzahl in der Fortschritts-Spalte. Die Ziele-Tabelle wird dadurch selbst zu einem kompakten KPI-Dashboard, das die zentralen Fortschrittsaussagen bereits auf wenigen Seiten bündelt.

Das methodische Vorgehen in vier Schritten

1. Mapping erstellen. Jede Zeile der Ziele-Tabelle wird mit den passenden GRI-Indikatoren und den entsprechenden Fundstellen in den erzählerischen und formalen Kapiteln verknüpft. So entsteht Transparenz darüber, wo welche Aussage aktuell steht.

2. Fortschritts-Spalte anreichern. Die konkreten Fakten aus den narrativen Kapiteln wandern direkt in die Tabelle: nicht als Verweis, sondern als Zahl, Prozentwert oder kurze Aussage. Die Tabelle wird dadurch eigenständig lesbar, ohne dass man ins Kapitel blättern muss.

3. Narrative Seiten radikal kürzen. Sobald die Kernaussagen in der Tabelle stehen, können Beispiel- und Erzählseiten deutlich kompakter gestaltet werden. Aus einem mehrseitigen Kapitel mit Fotostrecken und Success-Stories werden eine oder vielleicht zwei Seiten mit den stärksten Beispielen.

4. GRI-Pflichtseiten ausführlich genug lassen. Die Managementansatz-Texte nach GRI 3-3 oder im Fall der (vereinfachten) ESRS die General Disclosure Requirements (GDRs) sowie die zugehörigen Kennzahlentabellen bieten Kürzungsspielraum, aber nur eingeschränkt. Das Unternehmen muss die verlangten Informationen und Erläuterungen präsentieren. Hier gilt es also die Breite beizubehalten, ohne Angaben auszulassen. Aber man kann die Tiefe dosieren, z.B. wie detailliert Policies beschrieben werden, was kürzere Texte ermöglicht.

Warum sich das lohnt

Der Effekt ist doppelt positiv: Der Bericht wird kürzer, ohne dass GRI oder ESRS-Pflichtelemente wegfallen. Gleichzeitig wird die Lesbarkeit besser, weil die zentrale Ziele-Tabelle zur echten Informationsquelle wird, statt nur ein Inhaltsverzeichnis mit Verweisen zu sein.

Für Sustainability-Verantwortliche und CFOs ist das ein Argument, das über reine Ästhetik hinausgeht: Ein Bericht, der tatsächlich genutzt wird. Von Investoren, von Kundengruppen, dem eigenen Verwaltungsrat. Diese Art von Bericht erfüllt seinen Zweck besser als ein Bericht, der primär durch seinen Umfang beeindrucken soll. Konformität und Kürze schliessen sich nicht aus. Sie erfordern nur eine bewusste Entscheidung darüber, welche Inhalte tatsächlich einmalig sein müssen.

Zusammenarbeit mit Linkgroup und Sustainserv

Die Zusammenarbeit zwischen Linkgroup und Sustainserv verbindet zwei Perspektiven, die sich in den Reporting-Projekten mit unseren Kunden ideal ergänzen: inhaltliche Tiefe und kommunikative Umsetzung. Gemeinsam schliessen wir die Lücke zwischen Anforderung und Umsetzung:

Sustainserv bringt die strategische, regulatorische und inhaltliche Expertise ein: Nachhaltigkeitsstrategie, Regulatorische Readiness, Wesentlichkeitsanalyse, ESRS-konforme Textentwicklung, Governance, Datenanforderungen und Prüffähigkeit.

Linkgroup übernimmt die Kommunikations-, Design- und Umsetzungsperspektive: Berichtsarchitektur, Storyline, Gestaltung, digitale Publikation, Produktionsprozesse und kommunikative Wirkung. Sie entwickelt das Designkonzept und übersetzt komplexe Inhalte in eine klare, zugängliche visuelle Sprache, die das Verständnis unterstützt.

Getragen von einem gemeinsamen Qualitätsverständnis entsteht so ein integrierter Prozess, in dem Inhalte und Gestaltung nicht nacheinander, sondern miteinander gedacht werden – und ein Bericht, der inhaltlich Substanz hat und zugleich präzise kommuniziert.

Wo stehen Sie auf dem Weg zu einem Bericht, der Konformität und Lesbarkeit gleichermassen erfüllt? Wenn Sie den nächsten Schritt gehen möchten, sprechen Sie mit uns. Wir geben Ihnen gern eine erste Einschätzung.


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