Executive Summary
- Am 3. Juli 2026 hat die EU-Kommission die überarbeiteten europäischen Nachhaltigkeitsstandards („Simplified Draft ESRS“) sowie einen freiwilligen Standard für kleinere Unternehmen verabschiedet – als Teil des Vereinfachungspakets „Omnibus I“.
- Die Zahl der verpflichtenden Datenpunkte sinkt um über 60 %, die Gesamtzahl um über 70 %; die Berichtskosten sollen um mehr als 30 % je Unternehmen fallen. Berichte werden laut Annahmen der EU-Kommission kürzer, klarer und flexibler, ohne den Anspruch hochwertiger Angaben aufzugeben.
- Parallel zeigt EFRAGs „State of Play 2026“-Studie, in der über 900 analysierte Berichte des ersten CSRD-Jahrgangs untersucht wurden, wo die Praxis heute steht: Klima, eigene Belegschaft und Unternehmensführung sind fast überall wesentlich, doch zwischen erklärter Wesentlichkeit und strategischer Verankerung (Ziele, Vergütung) klafft eine Lücke.
Wichtig: Der Rechtsakt ist noch nicht endgültig – es folgt eine mindestens zweimonatige Prüfung durch Europäisches Parlament und Rat.
1. Was die EU beschlossen hat
Weniger, aber gezieltere Pflichten. Die revidierten ESRS sind Teil des Omnibus-I-Pakets, das die Nachhaltigkeitsberichterstattung vereinfacht und zugleich den Kreis der CSRD-pflichtigen Unternehmen verkleinert. Kernversprechen: kürzere, klarere Standards, neue Flexibilitäten und schlankere Prozesse.
- Datenpunkte: Pflicht-Datenpunkte −60 %, Gesamtzahl −70 %; erwartete Kostenentlastung > 30 % je Unternehmen (Ziel der Kommission: −25 % Bürokratie).
- Freiwilliger KMU-Standard: einheitlicher, verhältnismäßiger Rahmen für Unternehmen außerhalb der CSRD, um Datenanfragen von Banken und Großkunden zu beantworten.
- „Value-Chain-Cap“: CSRD-Unternehmen dürfen von Zulieferern nicht mehr Informationen verlangen, als der freiwillige Standard abdeckt – ein Schutz für kleinere Partner in der Lieferkette.
2. Die zentralen Erleichterungen im Detail
- Längere Übergangsfristen für „erwartete finanzielle Effekte“: Erstanwender (Wave 1) dürfen bis zum Berichtsjahr 2028 aufschieben, quantitative Angaben bis 2030; übrige Unternehmen zwei bzw. vier Jahre. Das ist ein Jahr großzügiger als im Entwurf von Mai 2026.
- Kein „Fehler“ bei späterer Aktualisierung dieser Schätzungen; zusätzlich gilt ein Schutz für Geschäftsgeheimnisse.
- Freie Berichtsstruktur: Die verpflichtende Vierteilung (Allgemein/Umwelt/Soziales/Governance) ist nicht mehr zwingend – ein alternatives Layout ist mit sachlicher Begründung möglich.
- Investment-Ausnahme bleibt bestehen, aber enger gefasst (nur mit formellem Kundenmandat) – rechtlich weiterhin umstritten.
- Keine direkte ISSB-Kompatibilität: Ein optionales Format für gleichzeitige ESRS-/ISSB-Konformität wurde trotz Investorenforderungen nicht aufgenommen; Kritik an Interoperabilität und Transparenz bleibt.
3. Was die Praxis zeigt – EFRAG State of Play 2026
EFRAG hat über 900 Berichte des ersten CSRD-Jahrgangs (alle nach ESRS Set 1, 2023) KI-gestützt ausgewertet. Die Ergebnisse liefern einen realistischen Vergleichsmaßstab:
| Kennzahl (FY2025, ESRS Set 1) | Ergebnis |
|---|---|
| Analysierte Berichte (KI-gestützt) | > 900 |
| Verhältnis Seitenzahl Nachhaltigkeitsbericht zu Geschäftsbericht | ~34 % über alle Berichtsräume |
| Berichte mit eigener Executive Summary | nur 6 % |
| Am häufigsten berichtete materielle Standards | E1 Klima 99 %, S1 Belegschaft 99 %, G1 Geschäftsverhalten 95 % |
| Wesentliche Themen / davon mit messbaren Zielen | Ø 6,4 von 10 / nur 3,3 |
| Nachhaltigkeit in Vorstandsvergütung | 63% |
| Klima-Transformationsplan offengelegt | 55 % (FY24) → 69 % (FY25) |
| Menschenrechte / Diskriminierung berichtet | 93 % / 85 % |
| ESG-Kriterien in Lieferantenauswahl (wenn G1 als wesentlich erklärt) | 81% |
Handlungsempfehlungen für Unternehmen
- Entlastung nutzen, Kontinuität wahren: Weniger Pflicht-Datenpunkte bedeuten nicht geringere Investorenerwartungen – wesentliche Daten weiter konsistent erheben.
- Executive Summary aufnehmen: Nur 6 % tun es – eine einfache Möglichkeit, sich positiv abzuheben.
- Wesentlichkeit strategisch verankern: Für wesentliche Themen messbare Ziele setzen und an Vergütungssysteme koppeln.
- Klima-Transformationsplan vorbereiten: klar steigender Trend (69 %); frühzeitige Planung zahlt sich aus.
- Flexibilität bewusst einsetzen: Alternatives Layout nur mit sauberer Begründung; ISSB-Doppelberichterstattung und Value-Chain-Cap im Blick behalten.
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