Die GRI-Standards werden heute von vielen Unternehmen als Berichtsrahmen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung genutzt. Diese helfen bei der Identifizierung wesentlicher Themen und ermöglichen eine strukturierte und transparente Offenlegung. Sie dienen auch als solide Grundlage für einen späteren Übergang zur Berichterstattung gemäss anderer internationaler Standards, die zunehmend an Bedeutung gewinnen, insbesondere die ESRS oder ISSB/IFRS.
Die Global Reporting Initiative (GRI) entwickelt ihre Standards kontinuierlich weiter, um internationalen Best Practices, regulatorischer Annäherung und steigenden Erwartungen an die Transparenz Rechnung zu tragen. Im Rahmen dieses laufenden Überarbeitungszyklus wurden drei themenbezogene GRI-Standards aktualisiert:
- GRI 101: Biodiversität 2024 (gültig seit 1. Januar 2026)
- GRI 102: Klimawandel 2025 (gültig ab 1. Januar 2027 → Berichte, die das Geschäftsjahr 2026 abdecken und 2027 veröffentlicht werden, müssen die neuen Standards anwenden)
- GRI 103: Energie 2025 (gültig ab 1. Januar 2027 → Berichte, die das Geschäftsjahr 2026 abdecken und 2027 veröffentlicht werden, müssen die neuen Standards anwenden)
Die Aktualisierungen sind mehr als nur technische Überarbeitungen, da die neuen Standards strategischere sowie kontextbezogene Angaben erfordern und sich gleichzeitig zunehmend an andere Nachhaltigkeitsrahmenwerke anpassen.
In diesem Artikel fassen wir die wichtigsten Änderungen aller drei Standards zusammen und vertiefen das Thema Klimawandel als wesentliches Thema für zahlreiche Unternehmen.
GRI 102: Klimawandel 2025 – ein neues Kernstück für Klimangaben
GRI 102: Klimawandel 2025 konsolidiert und ersetzt klimabezogene Angaben, die zuvor auf mehrere Standards verteilt waren, darunter:
- GRI 305: Emissionen 2016 (Angaben 305-1 bis 305-5)
- GRI 201: Wirtschaftliche Leistung 2016 (Angabe 201-2)
Diese Angaben werden mit Inkrafttreten von GRI 102 abgelöst, wodurch ein einheitlicher, kohärenter Standard für die Berichterstattung zum Klimawandel entsteht.
Eine wesentliche Veränderung in GRI 102: Klimawandel 2025 ist die Verschiebung von einem vorwiegend quantitativen, kennzahlenorientierten Ansatz hin zu kontextbezogenen und strategischen Angaben. Massnahmen zur Minderung des Klimawandels («climate change mitigation») – mit Schwerpunkt auf der Reduzierung von Treibhausgasemissionen und der Unterstützung des Übergangs zu einer CO2-ärmeren Wirtschaft – werden durch verschärfte Anforderungen expliziter behandelt. Zum ersten Mal wird die Transitionsplanung zu einem zentralen Element der Klimaberichterstattung nach GRI. Von Unternehmen wird erwartet, dass sie offenlegen, ob ein Transitionsplan existiert, wie dieser in Strategie, Unternehmensführung und Entscheidungsfindung integriert ist sowie wie Ziele, Richtlinien und Massnahmen den Übergang unterstützen, wobei auch Aspekte eines „gerechten Übergangs“ berücksichtigt werden.
Neben der Minderung erhält auch die Anpassung an den Klimawandel («climate change adaptation») stärkere Beachtung. Die Offenlegungen gemäss GRI 102-2 verlangen von Unternehmen, ihren Massnahmenplan zur Anpassung an den Klimawandel zu veröffentlichen, einschliesslich der Verwendung klimabezogener Szenarien, Temperaturprognosen und der Art und Weise, wie physische Klimarisiken bewertet und angegangen werden. Eine strukturierte Klimarisiko- und Szenarioanalyse wird zur praktischen Grundlage für fundierte Offenlegungen.
GRI 102 führt zudem explizite Angaben zur Nutzung von CO2-Zertifikaten und zur Entnahme von Treibhausgasen ein – sowohl innerhalb der eigenen Geschäftstätigkeit als auch entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dies spiegelt die zunehmende kritische Prüfung von Kompensationsangaben und der Qualität von Klimastrategien wider.
Unternehmen sind weiterhin aufgefordert, über Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Treibhausgasemissionen sowie die Emissionsintensität zu berichten. Die Methodiken bleiben weitgehend unverändert, doch die Anforderungen wurden leicht umstrukturiert. In der Praxis bedeutet dies nur begrenzte methodische Änderungen, jedoch sind Aktualisierungen der ESG-Datenerhebung und der Berichtslogik erforderlich.
Abstimmung auf ESRS, TCFD und SBTi
Ein wichtiges Merkmal von GRI 102: Klimawandel 2025 ist die verbesserte Interoperabilität mit anderen Standards und Rahmenwerken: Die Überarbeitung spiegelt das Ziel des Global Sustainability Standards Board (GSSB) wider, GRI besser auf internationale Klimaabkommen, wissenschaftliche Erkenntnisse und führende Rahmenwerke abzustimmen und gleichzeitig die wirkungsorientierte Perspektive von GRI beizubehalten. Beispiele hierfür sind:
- ESRS E1 (Klimawandel)
- Offenlegungsanforderungen zu Richtlinien und Massnahmen als Bestandteil von GRI 102-1 ähneln ESRS E1-2 (Richtlinien) und E1-3 (Massnahmen und Ressourcen).
- Die Einführung der Berichterstattung zu einem Transitionsplan entspricht den Erwartungen des ESRS.
- Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD)
- Szenarioanalysen, Transitionsplanung und Angaben zur Governance stehen weitgehend im Einklang mit den Erwartungen der TCFD, die nun in den ISSB integriert ist, auch wenn die GRI einen wirkungsorientierten statt eines risikozentrierten Ansatzes beibehält.
- Science Based Targets Initiative (SBTi)
GRI 102: Klimawandel 2025 kann als Ausgangspunkt für eine umfassendere Klimaberichterstattung dienen, insbesondere für Unternehmen, die sich mit parallelen Anforderungen gemäss ESRS, ISSB/IFRS, nationalen Vorschriften und freiwilligen Rahmenwerken auseinandersetzen.
Verknüpfung des Energieverbrauchs mit Transitionsplanung
GRI 103: Energie 2025 ergänzt den Standard zum Klimawandel, indem er die Erwartungen hinsichtlich der Berichterstattung über Energieverbrauch, Energieeffizienz und Massnahmen im Kontext der Energiewende schärft.
Zu den zentralen Aspekten gehören eine stärkere Fokussierung auf die Einbindung von Lieferanten und die Energieauswirkungen entlang der Wertschöpfungskette sowie eine verbesserte Kohärenz mit der Übergangsplanung gemäss GRI 102, insbesondere für Scope-1- und Scope-2-Emissionen.
Biodiversitätsstandard erhöht die Erwartungen an die Offenlegung von Auswirkungen auf die Natur
GRI 101: Biodiversität 2024 spiegelt die zunehmende Bedeutung von Themen rund um Natur und Biodiversität in der Nachhaltigkeitsberichterstattung wider.
Zwar unterscheiden sich die detaillierten Anforderungen von jenen des GRI 102: Klimawandel, doch die Ausrichtung ist ähnlich: stärkerer Fokus auf Kontext sowie Auswirkungen an Standorten und entlang der Wertschöpfungskette, grösserer Schwerpunkt auf systematischer Bewertung und Priorisierung sowie zunehmende Konvergenz mit neuen Biodiversitätsansätzen (z. B. dem LEAP-Ansatz – Locate, Evaluate, Assess and Prepare – im Einklang mit der Task Force on Nature-related Disclosures (TNFD) und künftigen IFRS-Naturstandards).
Für viele Unternehmen wird die Berichterstattung zur Biodiversität neue Datenquellen und Datenerhebungen, funktionsübergreifende Zusammenarbeit und detailliertere Analysen erfordern. Dies spiegelt sich in der standardisierteren Struktur und den Inhalten naturbezogener Daten wider, die GRI 101 verlangt – anknüpfend an die früheren Entwicklungen bei der Offenlegung von Daten zu Klima und Energie.
Unsere Schritt-für-Schritt-Empfehlungen
Die neuen Standards gelten ab der Berichterstattung im Jahr 2026 respektive 2027, daher empfehlen wir Unternehmen, sich bereits jetzt vorzubereiten:
- Führen Sie Ihre Wesentlichkeitsanalyse anhand der aktualisierten Standards durch oder überarbeiten Sie diese, insbesondere im Hinblick auf den neuen Standard zum Thema Klima
- Überprüfen Sie bestehende Angaben auf Lücken hinsichtlich des Transitionsplans und der Anpassung an den Klimawandel
- Richten Sie interne Prozesse (u.a. Strategie, Risiko, Nachhaltigkeit, Finanzen) aus, um sich auf eine detailliertere quantitative Datenerhebung und Berichterstattung vorzubereiten
- Nutzen Sie die Interoperabilität, indem GRI-Angaben nach Möglichkeit zur Unterstützung der Berichterstattung im Rahmen von ESRS, TCFD/ISSB oder SBTi herangezogen werden
Insbesondere im Hinblick auf das Thema Klimawandel legt der Fokus auf Transitionsplänen, Anpassung an den Klimawandel und strategischer Ausrichtung die Messlatte für eine transparente Nachhaltigkeitsberichterstattung höher. Sustainserv unterstützt Unternehmen dabei, sich in den aktualisierten Standards zurechtzufinden, und erleichtert deren Anwendung in der Berichterstattung.
Wenn Sie an unserem zweitägigen GRI-Schulungskurs (Zürich) teilnehmen möchten, finden Sie weitere Informationen unter https://sustainserv.com/en/gri-training/.
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